Urlaub & Abwesenheiten

Stufenweise Wiedereingliederung nach Krankheit in Luxemburg

Die stufenweise Wiedereingliederung nach einer Krankheit kann in Luxemburg zwei grundlegend verschiedene Formen annehmen: die therapeutische Wiederaufnahme, die die Genesung fördern soll, und die interne berufliche Umsetzung, die zur Anwendung kommt, wenn eine Arbeitsunfähigkeit für den bisherigen Posten festgestellt wurde. Diese beiden Mechanismen verfolgen unterschiedliche Ziele, beziehen unterschiedliche Akteure ein und unterliegen unterschiedlichen finanziellen Regeln.

Thema: Urlaub & Abwesenheiten Quellen: Art. CSS-I-14 · CSS-I-14bis · Art. L.551-1 · Art. L.551-2 · Art. L.326-6 · Art. L.326-9 · ITM-Merkblätter Aktualisiert: 12. Juni 2026

Zwei Mechanismen, die nicht verwechselt werden dürfen

Es gibt in Luxemburg zwei verschiedene Mechanismen für eine stufenweise Wiederaufnahme der Arbeit nach Krankheit. Sie werden häufig verwechselt, obwohl sie nach entgegengesetzten Grundsätzen funktionieren:

  • Die therapeutische schrittweise Wiederaufnahme richtet sich an Arbeitnehmer, die noch nicht vollständig genesen sind, aber deren teilweise Rückkehr die Genesung beschleunigen kann. Sie wird von der CNS unter Mitwirkung des Hausarztes und des Medizinischen Kontrolldiensts der Sozialversicherung (CMSS) gesteuert. Die Zustimmung des Arbeitgebers ist erforderlich.
  • Die interne berufliche Umsetzung richtet sich an Arbeitnehmer, die für ihren bisherigen Posten als arbeitsunfähig erklärt wurden, aber über verbleibende Arbeitsfähigkeit verfügen. Sie wird von der Commission mixte (Art. L.551-1) entschieden und kann dem Arbeitgeber auferlegt werden — er kann sie nicht ablehnen.
Therapeutische Wiederaufnahme = Der Arbeitnehmer ist noch krank und nimmt schrittweise die Arbeit auf, um schneller zu genesen.
Interne Umsetzung = Der Arbeitnehmer ist für seinen bisherigen Posten ungeeignet, kann aber eine andere oder angepasste Stelle besetzen.

1. Therapeutische schrittweise Wiederaufnahme

Ziel und Grundsatz

Dieser Mechanismus ermöglicht einem Arbeitnehmer, seine Tätigkeit in Teilzeit vor seiner vollständigen Genesung wiederaufzunehmen, wenn diese Wiederaufnahme geeignet ist, seinen Gesundheitszustand zu verbessern. Der Arbeitnehmer bleibt im Sinne der Sozialversicherung arbeitsunfähig, übt seine Tätigkeit jedoch in reduziertem Umfang aus.

Voraussetzungen

  • Mindestdauer: Der Arbeitnehmer muss in den drei Monaten vor dem Antrag mindestens einen Monat arbeitsunfähig gewesen sein (Art. CSS-I-14bis).
  • Zustimmung des Arbeitgebers: Laut ITM-Merkblättern ist die Zustimmung des Arbeitgebers unerlässlich — der Arbeitnehmer kann keine Teilzeitwiederaufnahme einseitig durchsetzen.
  • Genehmigung durch die CNS: Der Antrag wird mit einem Attest des behandelnden Arztes bei der CNS eingereicht und nach begründeter Stellungnahme des Medizinischen Kontrolldiensts der Sozialversicherung genehmigt (Art. CSS-I-14 und CSS-I-14bis).

Verfahrensablauf

  • Schritt 1 — Attest des behandelnden ArztesDer behandelnde Arzt stellt ein Attest aus, das die medizinische Berechtigung der schrittweisen Wiederaufnahme bestätigt.
  • Schritt 2 — Zustimmung des ArbeitgebersDer Arbeitnehmer holt die Zustimmung des Arbeitgebers zu den Modalitäten der Wiederaufnahme ein (Tage, Arbeitszeiten).
  • Schritt 3 — Einreichung des Antrags bei der CNSDer Antrag wird zusammen mit dem ärztlichen Attest an die CNS übermittelt.
  • Schritt 4 — Stellungnahme des CMSSDer Medizinische Kontrolldienst der Sozialversicherung gibt eine begründete Stellungnahme zur medizinischen Sinnhaftigkeit der Maßnahme ab.
  • Schritt 5 — Beginn der schrittweisen WiederaufnahmeBei Genehmigung nimmt der Arbeitnehmer in Teilzeit wieder auf. Die Maßnahme bleibt in Kraft, bis die Krankschreibung endet oder eine vollständige Genesung eintritt.

Finanzielle Folgen

  • Bis zum 77. Arbeitstag der Arbeitsunfähigkeit innerhalb von 18 Monaten: Der Arbeitgeber behält den vollen Lohn bei (allgemeine Lohnfortzahlungsregel).
  • Ab dem 78. Tag: Die CNS übernimmt zu 100 % — sie zahlt das Krankengeld für die gearbeiteten und die nicht gearbeiteten Stunden. Der Arbeitgeber ist nicht mehr zur Lohnfortzahlung verpflichtet; die CNS zahlt direkt.
  • Zählung: Die schrittweise therapeutische Wiederaufnahme wird als vollständige Arbeitsunfähigkeit für die Berechnung der maximalen Bezugsdauer gezählt (Höchstgrenze 78 Wochen innerhalb von 104 Wochen).
Die therapeutische schrittweise Wiederaufnahme unterbricht den Zähler der Krankengeldbezüge nicht. Der Arbeitnehmer verbraucht seinen Anspruch weiterhin so, als ob er vollständig arbeitsunfähig wäre.
Beispiel — Therapeutische Halbzeit-Wiederaufnahme
Ein Arbeitnehmer ist seit zwei Monaten krankgeschrieben. Sein Arzt ist der Ansicht, dass eine Wiederaufnahme auf 20 Stunden pro Woche (Halbzeit) die Genesung beschleunigen würde.
Der Arbeitgeber stimmt der Halbzeitregelung zu. Der Antrag wird mit dem ärztlichen Attest bei der CNS eingereicht. Der CMSS gibt eine befürwortende Stellungnahme ab.
Der Arbeitnehmer nimmt mit 20 h/Woche wieder auf. Er befand sich zum Zeitpunkt der Wiederaufnahme am 50. Tag der Arbeitsunfähigkeit — noch unter der Schwelle von 77 Tagen — daher behält der Arbeitgeber den vollen Lohn bei (einschließlich der nicht gearbeiteten Stunden).
→ Ab dem 78. Tag zahlt die CNS die gesamte Vergütung (gearbeitete + nicht gearbeitete Stunden). Die Maßnahme wird bis zur vollständigen Genesung aufrechterhalten.

2. Interne berufliche Umsetzung

Ziel und Grundsatz

Wenn ein Arbeitnehmer vom Betriebsarzt für seinen letzten Arbeitsplatz als arbeitsunfähig erklärt wird, aber über verbleibende Arbeitsfähigkeit verfügt, kann die Commission mixte eine interne berufliche Umsetzung entscheiden (Art. L.551-1). Ziel ist es, den Arbeitnehmer durch Zuweisung einer seinen medizinischen Möglichkeiten angepassten Stelle in Beschäftigung zu halten.

Im Gegensatz zur therapeutischen Wiederaufnahme kann der Arbeitgeber die von der Commission mixte beschlossene Umsetzung nicht ablehnen — die Entscheidung ist für beide Parteien bindend.

Arbeitszeitverkürzung

Die Umsetzung kann eine Verkürzung der Arbeitszeit beinhalten, auf begründeten Rat des Betriebsarztes hin:

  • Allgemeine Regel: Die Verkürzung darf 20 % der ursprünglichen Arbeitszeit nicht überschreiten (Art. L.551-1). Beispielsweise kann ein Vollzeitbeschäftigter (40 Std.) auf mindestens 32 Std. umgesetzt werden.
  • Ausnahme: Die Verkürzung kann auf 75 % der ursprünglichen Arbeitszeit ausgedehnt werden (mit einem absoluten Minimum von 10 Stunden pro Woche), auf spezifischen Beschluss der Commission mixte, der auf der besonderen medizinischen Situation des Arbeitnehmers beruht (Art. L.551-1). Ein 40-Stunden-Beschäftigter könnte also auf 10 Std./Woche umgesetzt werden, wenn die Commission mixte dies begründet.

Ablauf der Umsetzung

  • Schritt 1 — Feststellung der BerufsunfähigkeitDer Betriebsarzt erklärt den Arbeitnehmer für seinen bisherigen Posten als arbeitsunfähig.
  • Schritt 2 — Befassung der Commission mixteDie Commission mixte wird einberufen, um über die internen Umsetzungsmöglichkeiten zu entscheiden.
  • Schritt 3 — UmsetzungsentscheidungDie Commission mixte legt den neuen Posten und gegebenenfalls die anwendbare Arbeitszeitverkürzung fest.
  • Schritt 4 — Anpassung des ArbeitsplatzesDer Arbeitgeber passt den Arbeitsplatz an oder bietet einen neuen Posten an, der der Entscheidung entspricht.
  • Schritt 5 — Wiederaufnahme auf dem umgesetzten PostenDer Arbeitnehmer nimmt im neuen Rahmen die Arbeit wieder auf. Sinkt sein Gehalt, zahlt die ADEM eine Ausgleichszulage.

Finanzielle Entschädigung

Führt die Umsetzung zu einer Lohnminderung (aufgrund eines niedriger eingestuften Postens oder einer Arbeitszeitverkürzung), kann der Arbeitnehmer eine Ausgleichszulage der ADEM erhalten, die zu Lasten des Beschäftigungsfonds geht (Art. L.551-2). Diese Zulage entspricht der Differenz zwischen dem früheren monatlichen beitragspflichtigen Durchschnittseinkommen und dem neuen Einkommen.

Beispiel — Umsetzung mit Arbeitszeitverkürzung
Ein Vollzeitbeschäftigter (40 Std./Woche, Bruttogehalt 3.500 €) wird für Schwerstarbeit als arbeitsunfähig erklärt.
Die Commission mixte entscheidet, ihn auf einen Büroposten mit 80 % (32 Std./Woche, Bruttogehalt 2.800 €) umzusetzen.
→ Der monatliche Verlust beträgt 700 € brutto. Der Arbeitnehmer kann bei der ADEM eine Ausgleichszulage beantragen, die die gesamte oder einen Teil dieser Differenz abdeckt und zu Lasten des Beschäftigungsfonds geht.

3. Pflichten bei der Wiederaufnahme

Pflichtuntersuchung zur Wiederaufnahme

Wenn ein Arbeitnehmer nach einer ununterbrochenen Abwesenheit von mehr als sechs Wochen wegen Krankheit oder Unfall die Arbeit wieder aufnimmt, muss der Arbeitgeber den Betriebsarzt informieren (Art. L.326-6). Dieser kann dann eine Untersuchung durchführen, um:

  • die Eignung des Arbeitnehmers zur Wiederaufnahme seines Postens zu beurteilen;
  • oder die Notwendigkeit einer Anpassung des Arbeitsplatzes festzustellen.

Diese Untersuchung gilt unabhängig davon, ob die Wiederaufnahme vollständig oder schrittweise erfolgt. Es handelt sich nicht um eine Überprüfung der vergangenen Krankschreibung, sondern um eine vorausschauende Beurteilung der Fähigkeit des Arbeitnehmers, seine Aufgaben wieder aufzunehmen.

Pflicht des Arbeitgebers: Erklärt der Betriebsarzt den Arbeitnehmer für seinen bisherigen Posten als ungeeignet, darf der Arbeitgeber ihn unter keinen Umständen weiterhin auf diesem Posten beschäftigen (Art. L.326-9). Die Weiterbeschäftigung auf einem ungeeigneten Posten stellt ein Fehlverhalten des Arbeitgebers dar.

4. Vergleichstabelle der beiden Regelungen

Diese Tabelle fasst die wesentlichen Unterschiede zwischen den beiden Mechanismen zusammen, um Verwechslungen zu vermeiden:

Merkmal Therapeutische Wiederaufnahme Interne berufliche Umsetzung
Ziel Genesung durch schrittweise Wiederaufnahme fördern Beschäftigung trotz Ungeeignetheit für den bisherigen Posten erhalten
Hauptvoraussetzung Mind. 1 Monat Arbeitsunfähigkeit in den letzten 3 Monaten Festgestellte Ungeeignetheit für den letzten Arbeitsplatz
Entscheidung durch CNS, nach Stellungnahme des CMSS Commission mixte (Art. L.551-1)
Zustimmung Arbeitgeber Ja, unerlässlich Nein — Entscheidung ist für Arbeitgeber bindend
Beteiligter Arzt Hausarzt + CMSS Betriebsarzt + Commission mixte
Lohnauswirkung Beibehalten (Arbeitgeber bis Tag 77, danach CNS zu 100 %) Mögliche Minderung → Ausgleichszulage der ADEM
Krankengeldzähler Läuft weiter (gilt als vollständige Arbeitsunfähigkeit) Fließt nicht in den CNS-Krankengeldzähler ein
Dauer Vorübergehend — bis zur vollständigen Genesung Möglicherweise dauerhaft (Vertragsänderung)

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